Inhalative Sedierung

Kontraindikationen?


Fragen & Antworten

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

Kontakt

Maligne Hyperthermie

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der Skelettmuskulatur durch die Verabreichung von auslösenden Substanzen (Triggern) verursacht wird. Voraussetzung ist eine entsprechende genetische Veranlagung. Zu den auslösenden Triggersubstanzen gehören u.a. auch volatile Inhalationsanästhetika.

Als vital bedrohlich – wenn nicht rechtzeitig erkannt und behandelt – gilt dagegen das Auftreten der malignen Hyperthermie, die als typische - wenngleich extrem seltene - Nebenwirkung durch volatile Anästhetika getriggert werden kann.

Ihre Ursache ist derzeit noch unklar.

Bei empfindlichen Personen kann die Sedierung mit volatilen Anästhetika einen hypermetabolischen Zustand der Skelettmuskulatur auslösen, der zu einem hohen Sauerstoffbedarf führen und ein klinisches Syndrom auslösen kann, das als maligne Hyperthermie bekannt ist. Dieses Syndrom äußert sich unter anderem in Form von unspezifischen Symptomen wie

  • Muskelrigidität,
  • Tachykardie,
  • Tachypnoe,
  • Zyanose,
  • Arrhythmien
  • und Blutdruckschwankungen.

Es ist zu beachten, dass viele dieser unspezifischen Beschwerden auch unter einer leichten Sedierung, akuter Hypoxie, etc. auftreten können. Eine Zunahme des Gesamtstoffwechsels kann sich in einer erhöhten Körpertemperatur zeigen (die zu Beginn oder im späteren Verlauf rasch ansteigen kann, aber normalerweise nicht das erste Anzeichen eines gesteigerten Metabolismus ist). Der Sauerstoffpartialdruck und der pH-Wert können sinken, und es kann zu einer Hyperkaliämie und einem Basendefizit kommen. Zu den Behandlungsmaßnahmen zählen das sofortige Absetzen der auslösenden volatilen Anästhetikums), die intravenöse Gabe von Dantrolen-Natrium und weitere unterstu?tzende Maßnahmen. Hierzu gehören Intensivmaßnahmen zur Wiederherstellung einer normalen Körpertemperatur, die adäquate Atem- und Kreislaufunterstützung, sowie eine Regulierung des Elektrolyt-, Flüssigkeits- und Säure-Basen-Haushalts. Als Spätkomplikation kann es zu Nierenversagen kommen, es wurden auch Fälle von maligner Hyperthermie mit letalem Ausgang berichtet.

Die Symptomatik der MH ist sehr variabel:

  • Die fulminante maligne Hyperthermie entwickelt sich krisenhaft rasant. Das erste Zeichen ist ein schneller und starker Anstieg des CO2-Partialdrucks im Blut bzw. endexspiratorisch, verbunden mit einem Anstieg von Atem- und Herzfrequenz sowie Zeichen einer schweren metabolischen Azidose. Hinweisend kann auch ein rascher Temperaturanstieg ohne andere erkennbare Ursache auf über 39 °C sein. Ohne Therapie kommt es im weiteren Verlauf zu einer zunehmenden Erhöhung des Herzminutenvolumens, zu Tachykardie, Blutdruckabfall und einer Schädigung des Herzmuskels. Wird die manifeste MH nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu Organschäden wie Nierenversagen, Hirnödem, Blutgerinnungsstörungen (Verbrauchskoagulopathie) und Herz-Kreislauf-Zusammenbruch bis zum Multiorganversagen und Tod kommen. Eine fulminante MH kann sich innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden manifestieren.
  • Die abortive maligne Hyperthermie beginnt schleichender, oft erst Stunden nach der Triggerexposition. Diese Form der malignen Hyperthermie ist wesentlich häufiger, ist aber durch ihr sehr variables klinisches Bild oft nur schwer zu diagnostizieren. Differenzialdiagnostisch kommen bei entsprechender Symptomatik vor allem eine Sepsis, eine thyreotoxische Krise, ein malignes Neuroleptika-Syndrom oder ein Phäochromozytom in Frage. Ein abortiver Verlauf kann jederzeit zu einer fulminanten Krise exazerbieren.

Die Therapie der MH besteht in der sofortigen Unterbrechung der Narkosegaszufuhr der schnellstmöglichen Infusion des Wirkstoffs Dantrolen sowie einer symptomatischen Therapie (Erhöhung der Atemminutenvolumina, ggf. Kühlung, ggf. Katecholamine). Dantrolen ist der einzige verfügbare Wirkstoff, der eine kausale Therapie der MH ermöglicht. Daher muss bei Verwendung der inhalativen Sedierung sichergestellt sein, dass Dantrolen im Krankenhaus ausreichend verfügbar ist. In der Regel wird Dantrolen im OP (Anästhesie) bevorratet.

Bleibt eine Wirkung nach einer halben Stunde aus, kann die Applikation wiederholt werden. Dantrolen wird so oft wiederholt infundiert, bis eine klinische Wirkung einsetzt.


Mehr Fragen? Mehr Antworten.


Was ist das ideale volatile Anästhetikum?

Grundsätzlich sind sowohl Isofluran als auch Sevofluran und Desfluran zur Sedierung in der Intensivmedizin geeignet.

weiter…


Ist Sedierung eigentlich gleich Narkose?

Vom Prinzip ja. Dabei ist die Narkose nichts Anderes als eine tiefe Sedierung, bei der der Patient nicht mehr erweckbar ist. Das heißt, die Übergänge zwischen Sedierung und Narkose sind fließend…

weiter…


Kontraindikationen?

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der…

weiter…


Ist die Sedierung mit VA ein neues Verfahren?

Trotz aller Vorzüge werden volatile Anästhetika derzeit in der klinischen Routine auf der Intensivstation nur selten eingesetzt. Gründe hierfür liegen in der technisch schwierigen Applikation und Elimination von Narkosegasen…

weiter…


Aus dem Inhalt


Heutige Sedierungsregimes

Trotz der allgemein akzeptierten Notwendigkeit einer adäquaten Analgosedierung besteht derzeit weder bei den Intensivmedizinern noch beim Pflegepersonal ein breiter Konsens, wie und mit welchen…

weiter…


Was sind die Vorteile?

Die Vorteile der inhalativen Sedierung auf einer Seite für Sie zusammengestellt.

weiter…


Welche Rolle spielt die Halbwertszeit der Substanzen

Zur Beurteilung der Wirksamkeit von Sedativa und Analgetika reicht es nicht aus, sich nur mit der Pharmakodynamik der Substanzen…

weiter…


Auswirkungen von VA auf andere Organe

Trotz aller Vorzüge besitzen auch volatile Anästhetika unerwünschte Nebenwirkungen. So wurden in Einzelfällen erhöhte Serumfluoridkonzentrationen unter Verwendung von Sevoflurane nachgewiesen…

weiter…


Wandel der Konzepte zur Analgesie und Sedierung

Wurde noch in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die tiefe Sedierung bei beatmeten Patienten bevorzugt, ermöglichen heute neue Therapieverfahren, Beatmungsgeräte und Medikamente die schnelle und kurzzeitige Angleichung der Sedierungs…

weiter…


Kontraindikationen?

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der…

weiter…


Das MIRUS-System

Durch die Umwandlung des flüssigen Anästhetikums in die Gasphase im Hochdruckverdampfer können auch Gase, deren Siedepunkt im Bereich der Raumlufttemperatur liegt - wie Desfluran - mit höchster Genauigkeit appliziert werden.

weiter…


Wie kann die Sedierungstiefe objektiviert werden?

Die regelmäßige Beurteilung des angestrebten Sedierungsgrades erleichtert die Dosierung von Sedativa, wobei die Sedierungstiefe primär von der Erkrankung des Patienten und seinem aktuellen Zustand sowie den notwendigen diagnostischen und …

weiter…

Hinweis


User Hinweis

Diese Webseite stellt eine Daten- und Artikelsammlung zum Thema "Inhalative Sedierung" dar.

Jede Applikation bzw. Dosierung erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Mit der weiteren Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden.

Weitere Informationen im Impressum.

Falls Sie der Nutzungsbedingung nicht zustimmen, klicken Sie bitte hier.