Inhalative Sedierung

Auswirkungen von VA auf andere Organe


Thema: Analgosedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

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Niere

Trotz aller Vorzüge besitzen auch volatile Anästhetika unerwünschte Nebenwirkungen. So wurden in Einzelfällen erhöhte Serumfluoridkonzentrationen unter Verwendung von Sevoflurane nachgewiesen, deren klinische Bedeutung allerdings gering zu sein scheint (Osborne et al. 1996). In einer Studie wurden bei 96-stündiger Sevofluran-Sedierung zwar mittlere Fluorid-Spiegel von 82μmol/L beobachtet, anomale Nierenfunktionsparameter aber nicht (Mesnil M et al. Intensive Care Med 2011; 37: 933-941). Die Kreatininwerte von Sevofluran- und Propofol- oder Midazolam-Patienten unterschieden sich nicht signifikant, der Harnstoff war an Tag 2 und 3 mit Sevofluran sogar niedriger. In einer weiteren Studie von Röhm et al. fanden sich bei 125 Patienten mit Sevofluran bis zu 24 Stunden postoperativ signifikant höhere Fluoridspiegel als mit Propofol (Röhm KD et al. Anesth Analg 2009; 108:1848-1854), es zeigten sich aber ebenfalls keine signifikanten Nierenfunktionsunterschiede.

Soukup et al. verglichen bei Intensivpatienten die intravenöse Analgosedierung mit Propofol 2%/Remifentanil (ab Tag 4 Umstellung auf Midazolam/Remifentanil) mit Sevofluran/ Remifentanil.Dabei führte Sevofluran zwar zu signifikant kürzeren Aufwachzeiten (28 Minuten vs. 350 Minuten), aber auch zu signifikant höheren Fluoridwerten. Fluorid hatte aber ebenfalls keine Auswirkungen auf die Nierenfunktion: Kreatinin- und Harnstoffwerte sowie Dialysehäufigkeit waren gleich.

Leber

Vergleichbares gilt für hepatische Beeinträchtigungen (Sackey et al. 2005). Obwohl etwa 5 % des zugeführten Sevoflurans über Cytochrom P450 zu Fluorid und Hexafluoridisopropanol metabolisiert werden, beeinträchtigt die Substanz die Leberfunktion nicht. Alle drei Studien, die diese Problematik untersuchten, kamen zu demselben Ergebnis: Sevofluran hat keinen Einfluss auf die Leberfunktionsparameter (Mesnil M et al. Intensive Care Med 2011; 37: 933-941, Sackey PV et al. Crit Care Med 2004; 32: 2241-2246, m KD et a. Intensiv Care Med 2008; 34: 1683-1689).

Lunge

Es liegen zwar viele Daten zur perioperativen immunmodulatorischen Wirkung von volatilen Anästhetika in der Lunge vor, zur pulmonalen Organprotektion bei Langzeitsedierung wurden jedoch bisher keine experimentellen oder klinischen Studien durchgeführt. In der Kurzzeitanwendung konnten experimentelle Studien mögliche Einflüsse auf den TLR4-Rezeptor-Pathway und die Induktion reaktiver Oxygen-Spezies zeigen.

In einem ARDS-Tiermodell beim Schwein mit 4 Stunden Beatmung unter Sevofluran- oder Propofol-Sedierung wurden nach 2,5 und 4 Stunden eine signifikant bessere Klinik (Horovitz) sowie niedrigere Zytokinspiegel (TNFα IL-1β IL-6) in Blut und bronchoalveolärer Lavage beobachtet (Fernando C et al. Eur J Anaethesiol 2013; 30 : 1-9). Ratten hatten nach 6 Stunden in einem Modell für akute Lungeninsuffizienz mit Sevofluran eine bessere Klinik, niedrigere Zytokinspiegel und einen höheren Surfactant-Gehalt im Lungengewebe (Voigtsberger S et al. Anesthesiology 2009; 111: 1238-1248). Klinische Studien bei Lungenteilresektion und Ein-Lungenventilation dokumentierten mit Volatila eine Reduktion der Inflammationsparameter (De Conno E et al. Anesthesiology 2009; 110: 1316-1326). Eine Magdeburger Studie beobachtete bei thoraxchirurgischen Patienten mit Sevofluran und Desfluran signifikant niedrigere bronchoalveoläre IL-8-, IL-1β- und TNF-α-Spiegel, aber keine systemischen Unterschiede (Schilling T et al. Anesthesiology 2009; 115: 65-74).

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